Scham

Die anderen lachen bestimmt über mich… 

Ich hab mich aber auch wieder blöd angestellt! Mein Gott, bin ich peinlich! Ich bin so uncool – warum sollte jemand freiwillig mit mir befreundet sein?

Kennst du diese Gedanken, die einen manchmal abends nicht einschlafen lassen? Diese Gedanken, die einem vorhalten, was man schon wieder alles falsch gemacht hat? Dabei wäre es doch so schön, wie die anderen zu sein: lässig, schlagfertig, selbstsicher – irgendwie perfekt.

Andererseits, wie uns das alte und sehr wahre Sprichwort verrät, ist das ja angeblich nobody.

Nobody is perfect

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Was wäre die Lösung? Vollkommen schamlos durchs Leben zu gehen?

Da kommt die positive Seite von Scham ins Spiel: Scham bewahrt uns davor unser „Ich“ zu verschleudern und uns ungefragt jedem sofort und in Gänze zu offenbaren.  Denn das „Sich-Öffnen“ ist auch ein Vertrauensbeweis, der beste Freunde von zufälligen Bekannten unterscheidet. Scham schützt uns außerdem davor im Rausch der Situation unsere eigenen moralischen Grenzen zu überschreiten und Dinge zu tun, die wir vielleicht später bereuen.

Wer hat noch nie etwas gesagt oder getan, nur um nicht prüde oder spießig zu erscheinen? Und das, obwohl das Bauchgefühl geschrien hat „Stopp, so bin ich nicht“? Besonders im zwischenmenschlichen und damit auch sexuellen Bereich kann Scham kulturell und individuell sehr unterschiedlich sein. Und das ist gut so, denn schließlich kann Zurückhaltung auch deinen Wert steigern: Man muss sich dein Vertrauen und deine Zuneigung erst mal verdienen!

Sein und Schein

Könnte es nicht vielleicht sein, dass es gar nicht darum geht, besonders cool und sicher zu sein, sondern so zu tun, als ob man besonders cool und sicher wäre?

Schamgefühle und Selbstzweifel

Und wann immer jemand anderes eine kränkende Bemerkung macht, fühlen wir uns beschämt, nackt, ausgeliefert. Wir denken, dass sich alle unsere Freunde von uns abwenden werden, da wir ja „nur“ ganz normale verletzliche Menschen mit Fehlern sind. Und das ist scheinbar nicht gut genug.

Menschen schämen sich dafür, wie sie sich verhalten haben, was sie gesagt haben, was sie denken, ihre Familie, ihre Figur, ihre Schulnoten, ihre abstehenden Ohren, ihre Kultur, ihre Kleidung, ihre Wohnung, ihren Job, ihre Nase, ihre Religion, Pickel und und und. Kurz für alles, was normale Menschen ausmacht.

Aber warum?

Der Vergleich hinkt…

Das Gemeine ist, dass Menschen ihr Selbstbild über Vergleiche mit anderen konstruieren und bewerten. Das heißt, wo sind meine Stärken im Vergleich zu anderen und wo sind meine Schwächen. Das geschieht ständig und größtenteils unbewusst.

Selbstzweifel adieu
Photoshop

Dabei vergleicht man sich allerdings nicht nur mit einer Person, sondern pickt sich bei vielen Einzelnen Dinge raus, die einem als besonders gut auffallen. So entsteht quasi ein Puzzle aus perfekten Einzelteilen.

Wer könnte dem noch genügen? Richtig, niemand.

Und auch wenn man das eigentlich weiß, kann man sich trotzdem für seine vermeintlichen Schwächen schämen. Vermeintlich, weil es einen himmelweiten Unterschied zwischen Eigenwahrnehmung und Fremdwahrnehmung geben kann.

Wenn ich glaube, dass ich nicht singen kann, meine Witze nicht lustig sind und jeder sowieso nur auf meine billigen no-name-Turnschuhe starrt, heißt das noch lange nicht, dass andere das auch so sehen.

Vielleicht finden sie meine Stimme schön oder gerade gut, weil sie nicht so perfekt glatt ist, vielleicht habe ich sie mit meinem Humor aufmuntern können – das müssen ja nicht immer Brüller sein – und vielleicht ist ihnen die Marke meiner Turnschuhe total schnurz.

Wer sagt, dass ich als Person, die nicht so viel über sich selbst redet, die nicht jeden Quatsch mitmachen will, übersehen werde? Vielleicht macht mich ja gerade das interessant und vertrauenswürdig.

Ja, vielleicht mögen mich andere einfach, weil ich so bin wie ich bin.

Wie würde sich das anfühlen? Gut?

Egal ob dick oder dünn, du bist gut wie du bist

Aber – und jetzt kommt der Haken an der Sache – die anderen können dich nur so akzeptieren wie du bist, wenn du ihnen auch zeigst wie du bist.

Logisch oder?

Spielst du vor, dass du keine Geheimnisse hast und immer gut drauf bist, können sie dich zwar als „Sonnygirl/Sonnyboy“  einordnen und akzeptieren wie du gern sein möchtest, aber nicht wie du wirklich bist.

Außerdem ist es nicht nur äußerst anstrengend, seinem selbst geschaffenen Image immer gerecht werden zu müssen, es verhindert auch wirkliche Nähe.

Was also tun?

Der erste Schritt in die richtige Richtung ist, dich selbst zu akzeptieren mit schiefen Zähnen, Schüchternheit, Schusseligkeiten, stottern, doofe Sachen sagen, Dinge nicht machen wollen, keine Ahnung haben, nix fertig kriegen … hier kannst du gerne alles ergänzen, wofür du dich jemals geschämt hast.

Aber sind das wirklich Schwächen oder ist das nicht vielmehr eine schöne Liste von Dingen, die menschlich, liebenswert und einzigartig machen?

Es ist vollkommen okay, schlechte Laune zu haben, dagegen zu sein, anders auszusehen, nicht von jedem gemocht zu werden, nicht auf jede Party eingeladen zu werden.

Lass die Leute reden

Was am Ende des Tages zählt ist, ob man zu sich gestanden hat, ob man „echt“ war. Das sperrige Zauberwort lautet „Authentizität“ und bedeutet nicht weniger als sich nach außen auch so zu geben, wie es gerade wirklich im Inneren aussieht.

Deine Scham gehört zu dir und es sollten nicht ANDERE darüber bestimmen, wie du dich deshalb fühlst. Versuch deine Scham genauso als deinen Schatz zu akzeptieren wie andere Eigenschaften von dir und im besten Fall kannst du irgendwann sogar darüber schmunzeln. Aber vor allem: versuche du selbst zu sein, sei echt! Das spüren Andere und niemand wird sich deshalb von dir abwenden. Und wenn doch, dann sind das diejenigen, die du wirklich nicht brauchst, um dich wohlzufühlen.

SCHAM IST KEINE SCHWÄCHE!

Verankere diesen Satz ganz fest in deinem Kopf, wickele dein Selbstbild darin ein wie in Geschenkpapier und verteidige ihn auch nach außen! Das stärkt dich selbst und alle anderen, die sich für irgendwas schämen! Und das sind ja bekanntlich nicht wenige …

Wenn das mit „sich zeigen, wie man wirklich ist“ noch nicht so gut klappt, dann sind wir von JugendNotmail für dich da. Wir unterstützen dich gerne, wenn du etwas verändern willst: weg von quälenden Schamgefühlen – hin zu einem besseren Selbstgefühl!

Collins, R. L. (1996). For better or worse: The impact of upward social comparison on self-evaluations. Psychological Bulletin, 119, 70–94. doi.org/10.1037/0033-2909.119.1.51 

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Leary, M. R. & Baumeister, R. F. (2000). The nature and function of self-esteem:
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Brené Brown und Margarete Randow-Tesch Verletzlichkeit macht stark: Wie wir unsere Schutzmechanismen aufgeben und innerlich reich werden. Aus dem Amerikanischen von Margarethe Randow-Tesch. Kailash, München 2013, ISBN 978-3-424-63079-4

Brené Brown. Die Gaben der Unvollkommenheit: Lass los was du glaubst, sein zu müssen, und umarme was du bist. Leben aus vollem Herzen. Übersetzung Ute Weber. J. Kamphausen Verlag, Bielefeld 2012, ISBN 978-3-89901-583-6

Richard Bandler, John Grinder: Metasprache und Psychotherapie. Die Struktur der Magie I. Junfermann, Paderborn 1981, (Meta-Modell und Konzept, Original 1975: The Structure of Magic. Band I). ISBN 3-87387-740-6

Bildquelle:
www.elements.envato.com

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